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Wandern · 10 min

Eine Tageswanderung am Rothaarsteig — Brilon nach Olsberg

19 Kilometer auf der nördlichsten gut machbaren Tagesetappe des Rothaarsteigs, mit Abstecher zu den Bruchhauser Steinen. Wir notieren Anstiege, Einkehrhinweise und die jahreszeitlichen Tücken der Strecke.

Eine Tageswanderung am Rothaarsteig — Brilon nach Olsberg
Wandern 10.05.2026

Der Rothaarsteig läuft auf 154 Kilometern von Brilon bis Dillenburg über die Kammlinie des gleichnamigen Gebirges. Wir nehmen heute die erste Etappe — Brilon nach Olsberg, 19 Kilometer, reine Gehzeit 5:00 bis 5:30 Stunden, etwa 520 Höhenmeter im Anstieg und 470 im Abstieg. Wer mit dem Zug anreist, steigt am Briloner Bahnhof aus (51° 23′ 49″ N, 8° 34′ 06″ E, 449 m ü. NN) und beendet die Tour am Olsberger Bahnhof (51° 21′ 26″ N, 8° 29′ 27″ E, 308 m ü. NN). Beide Bahnhöfe liegen an der RB 53 Dortmund–Winterberg, der erste Zug ab Dortmund Hbf gegen 7:00 Uhr ist für eine Tagestour mit Mittagsrast und Abstecher gut getaktet.

Streckenführung

Vom Briloner Bahnhof folgen wir der Friedrichstraße südwärts in die Altstadt, queren den Marktplatz mit dem Pulverturm aus dem 14. Jahrhundert, gehen vorbei am Propsteibrunnen und treffen am Südausgang der Stadt auf die rote Raute mit dem stilisierten R — die Markierung des Rothaarsteigs. Die ersten 1,5 Kilometer laufen wir auf einem Asphaltweg neben dem Briloner Stadtwald, der 7.700 Hektar misst und damit der größte kommunale Wald Deutschlands ist. Nach dem ersten Anstieg erreichen wir den Borberg-Lehrpfad mit Tafeln zum keltisch-germanischen Höhenheiligtum, das hier um 200 n. Chr. nachgewiesen ist.

Auf der Hochfläche bei Madfeld — wir sind auf etwa 580 m ü. NN — wechselt der Bewuchs: weniger Fichtenforst, mehr Buchen-Eichen-Mischwald. Die Borkenkäfer-Schäden der Jahre 2018 bis 2022 sind hier deutlich sichtbar; auf rund 30 Prozent der Fläche stehen jetzt junge Aufforstungen mit Douglasie, Roteiche und Hainbuche. Der Sauerländer Gebirgsverein, der den Steig markiert und unterhält (gegründet 1891, Vereinssitz Schmallenberg), hat die Wegführung 2023 in zwei Abschnitten umgelegt, um die Wiederaufforstungen nicht zu belasten — wer mit einer alten Karte unterwegs ist, sollte die Markierung vor Ort beachten.

Bei Kilometer 9 überqueren wir die L 870 und beginnen den Abstieg ins Hoppecketal. Der Weg verliert auf 1,8 Kilometern rund 160 Höhenmeter; das letzte Stück ist steil und bei Nässe rutschig — die Schiefer-Verwitterungsböden hier saugen Regen langsam und geben ihn an die Sohlen ab. Im Tal liegt Bruchhausen, ein Ortsteil der Stadt Olsberg mit rund 700 Einwohnern. Hier biegen wir optional ab zu den Bruchhauser Steinen (45 Minuten zusätzlich, 110 hm extra) — vier Porphyr-Felsen vulkanischen Ursprungs, der höchste (Bornstein) mit 758 m ü. NN, die seit 2017 zum nationalen Naturmonument erklärt sind. Eingang über das Besucherzentrum (täglich außer Montag, 9:00 bis 17:00, Eintritt 5 Euro für Erwachsene, Stand 2026).

Wer den Abstecher mitnimmt, kehrt für die Mittagsrast am besten im Gasthof Hoppecke in Bruchhausen ein — westfälische Karte, Forelle aus eigener Zucht, geöffnet 12:00 bis 14:30 und 17:30 bis 22:00, dienstags Ruhetag. Wer ohne Abstecher durchgeht, hat zwischen Brilon und Olsberg keine Einkehrmöglichkeit auf der Strecke. Die Astenstube auf dem Kahlen Asten — gerne als Rothaarsteig-Einkehr genannt — liegt nicht auf dieser Etappe, sondern erst etwa 25 Kilometer weiter südlich.

Jahreszeit und Material

Die optimalen Wandermonate sind April bis Juni und September bis Oktober. Im Juli und August steigt die Schwüle in den Tälern und macht den Anstieg bei Madfeld unangenehm; außerdem ist die Bremsenplage in den buchenreichen Abschnitten zwischen Hoppeckequelle und Olsberg zwischen Mitte Juni und Mitte August spürbar. Im Winter ist der Steig theoretisch begehbar, aber Schneeschuhe werden erst ab etwa 600 m ü. NN verlässlich nötig — auf dieser Etappe also nur im Abschnitt Madfeld–Hoppeckequelle. Schneehöhen über 30 Zentimeter sind hier zwischen Mitte Dezember und Mitte März normal; Spurarbeit ist mühsam, weil der Weg dort durch dichten Mischwald führt und kaum verspurt wird.

An Material braucht es nicht viel: feste Wanderschuhe (B-Kategorie reicht), Regenjacke (die Sauerlandwetterlage produziert auch im Mai schnell ein dreistündiges Tief), 1,5 Liter Wasser pro Person (Wasserstellen unterwegs gibt es nicht), und eine Karte. Wir empfehlen das Blatt 6 der Sauerländer Gebirgsverein-Wanderkarten im Maßstab 1:25.000 — die offizielle Vereinskarte, alle zwei Jahre aktualisiert, mit den genauen Markierungsänderungen. Die kostenlosen Touren-Apps zeigen den Steig grob, aber die SGV-Karte enthält die Höhenlinien, die Wasserläufe und die Forstwege, auf denen man im Notfall ausweicht.

Ein Wort zur Markierung des Steigs: das stilisierte R auf weißem Grund ist die offizielle Wegmarke, gepflegt vom Rothaarsteigverein in Schmallenberg. Die Markierungen stehen in Schritten von durchschnittlich 250 Metern, an Abzweigungen enger, in offenen Hochlagen seltener. Wer länger als zehn Minuten keine Markierung gesehen hat, hat sich vermutlich verlaufen — am besten zurück bis zur letzten gesehenen Markierung gehen und neu orientieren. Das ist hier am ersten Abschnitt zwischen Borberg und Madfeld gelegentlich der Fall, weil ein Waldweg parallel zum Steig läuft und nach 400 Metern abzweigt. Die Sauerländer Wegpflege ist verlässlich, aber das ersetzt nicht die eigene Aufmerksamkeit. Wer eine fehlende oder beschädigte Markierung findet, kann das beim SGV unter der Hauptgeschäftsstelle in Arnsberg melden — die Patenschaft für diesen Abschnitt liegt bei der Ortsgruppe Brilon, die zweimal jährlich nachmarkiert.

Am Olsberger Bahnhof endet die Etappe gegen 16:30 Uhr, wenn man um 9:30 Uhr in Brilon gestartet ist und den Abstecher mitgenommen hat. Der Zug Richtung Winterberg fährt stündlich; wer Richtung Dortmund will, hat alle 60 Minuten Anschluss. Die nächste Rothaarsteig-Etappe — Olsberg über den Kahlen Asten (841 m ü. NN, höchster Punkt Westfalens) nach Winterberg — ist mit 22 Kilometern und etwa 750 Höhenmetern deutlich anspruchsvoller und sollte nicht direkt angehängt werden, sondern an einem zweiten Wandertag in Angriff genommen werden.

Wir sammeln das Material ein, falten die Karte zusammen, und bemerken auf der Rückfahrt im Zug, dass wir die ersten Buchen-Knospen heute aufspringen gesehen haben — gegen 11:30 Uhr im Abschnitt zwischen Madfeld und Hoppeckequelle, auf etwa 510 Metern. Auf 700 Metern, sagt die Vegetationsbeobachtungsstation in Winterberg, dauert es noch eine bis zwei Wochen.


Ressort: Wandern